In eigener Sache

Der Politik die Chancen von Zeitwertkonten aufzeigen

Ende April war es zum fünften Mal soweit: Die AGZWK lud das politische Berlin zu Frühstück und Gedankenaustausch. Anlass waren die Ergebnisse einer neu vorgestellten AG ZWK-Studie zu Nutzungsmöglichkeiten und Chancen von Zeitwertkonten.

In den Räumlichkeiten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes durfte der Vorstand 50 Gäste begrüßen, darunter Mitglieder des Bundestages und Mitarbeiter der Fraktionen, Vertreter des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, der Deutsche Rentenversicherung Bund und namhafter Verbände. Die neue Regierung, am 14. März vereidigt, war zu frisch im Amt als dass man sie bereits an Ihrem Anspruch hätte messen können, „einen Rahmen zu schaffen in dem Unternehmen und ihre Beschäftigten den vielfältigen Wünschen in der Arbeitszeitgestaltung gerecht werden können“ (Koalitionsvertrag). Aber darauf ansprechen ließen sich sowohl Kai Whittaker, MdB und Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales, der das Grußwort sprach, als auch seine Kollegen und Kolleginnen Parlamentarier gern.

Startpunkt einer von allen Seiten engagiert geführten Diskussion war die Vorstellung der Ergebnisse einer Studie, die – von der AGZWK beauftragt – erst wenige Tage zuvor unter dem Titel „Zeitwertkonten – Nutzungsmöglichkeiten und Chancen in der modernen Arbeitswelt“ erschienen war. Zum ersten Mal seit 2010 systematisch untersucht worden waren der aktuelle Verbreitungsgrad von Zeitwertkonten, der Bedarf an modernen Instrumenten zur Flexibilisierung der Arbeitszeit und in der unternehmerischen Praxis wahrgenommene Hindernisse bei ihrem Einsatz.

Von den Geschäftsführern und Personalleitern mehr als 300 befragter Unternehmen hatte fast jeder Vierte angegeben, bereits Zeitwertkonten zur Finanzierung längerfristiger Teil- oder Voll­freistellungen von der Arbeit zu nutzen. Eine deutliche Steigerung gegenüber der letzten Untersuchung und ein schöner Erfolg an dem auch die AGZWK ihren Anteil hat. Während der Wunsch gerade jüngerer Arbeitnehmer und Frauen nach flexiblen Arbeitsmöglichkeiten beständig zunimmt und in einer massiven Nachfrage nach bezahlter Arbeitszeitreduktion in der ruhestandsnahen Lebensphase kulminiert, gilt es allerdings gleichzeitig zu konstatieren, dass

  • die Beschäftigten, denen eine ausgewogene Work-Life-Balance generell zunehmend wichtig wird, häufig keine Vorstellung davon haben, wie sich ihre Wünsche realisieren lassen
  • Unternehmen, die unverändert von der Einführung eines Wertkontenmodells absehen, dies mit dem Hinweis auf bestehende Garantierisiken, die aufwändige Administration aber eben auch mit unzureichender Nachfrage bzw. Bekanntheit des Instrumentes tun

Die gesamte Studie zum Download findet sich auf der Homepage der AGZWK. „Wir haben in Deutschland ein einzigartiges Instrument zur Arbeitsautonomie, aber keiner kennt es” – so fasste es Sven Beste, Vorstandsmitglied der AGZWK zusammen. Dies scheine letztlich auch für den Gesetzgeber zu gelten, der unreflektiert z.B. Leistungen an die Bezieher von Elterngeld einschränke, wenn diese gleichzeitig Auszahlungen aus einem Wertkonto beziehen.  Unüberhörbar das Petitum, die Politik möge in der laufenden Legislaturperiode einen Beitrag zum Abbau noch bestehender Barrieren leisten. Genauso vernehmbar die grundsätzliche Zustimmung und Bereitschaft zum Dialog der Akteure in Berlin. Wir werden sehen.

Der Vorstand bedankt sich beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband für die Gastfreund­schaft anlässlich der diesjährigen Veranstaltung sowie bei unseren Mitgliedern Debeka, Mercer, Metzler und der Generali Pensions- und Sicherungs- Management GmbH ohne deren Förderung das Frühstück deutlich bescheidener ausgefallen wäre.

Nikolaus Schmidt-Narischkin für den Vorstand der AG ZWK

Sie erreichen den Autor per E-Mail: info@zeitwertkonten.org